Touchscreen-Simulation für den Video Dragon 2 mittels I²C-Slaves
Einleitung
Im Bereich Automotive Testing wird der Video Dragon 2 häufig zur automatisierten Validierung von Embedded Displays und HMIs eingesetzt. Die Kombination aus Framegrabber-Funktionalität und Schnittstellenemulation ermöglicht dabei nicht nur die Analyse der Bildausgabe, sondern auch die Simulation von Benutzereingaben. Über die integrierten I²C-Slaves kann ein Touch-Controller nachgebildet werden, wodurch sich automatisierte End-to-End-Tests von Infotainment-, Cluster- oder Cockpit-Systemen realisieren lassen. Auf diese Weise können Testsequenzen vollständig automatisiert, reproduzierbar und ohne manuelle Eingriffe durchgeführt werden.
Grundprinzip
Viele moderne Displays kommunizieren mit dem Host-System über zwei unabhängige Schnittstellen:
- Videosignal (LVDS, MIPI CSI2, MIPI DSI, openLDI usw.)
- Touch-Interface (typischerweise I²C aber auch CAN & Ethernet)
Während der Video Dragon 2 das Bildsignal aufzeichnet und verarbeitet, können seine I²C-Slaves verwendet werden, um einen Touch-Controller und ander I2C Geräte nachzubilden. Das Zielsystem erkennt Video Dragon dabei als regulären Touchscreen-Controller.
Dadurch lassen sich Touch-Ereignisse gezielt erzeugen, beispielsweise:
- Einzelner Fingertipp (Single Touch)
- Drag & Drop
- Wischgesten (Swipe)
- Mehrfach-Touch-Punkte
- Automatisierte Bedienabläufe
Simulation von Touch-Koordinaten
Die emulierten Touch-Daten werden über die I²C-Slave-Schnittstelle bereitgestellt. Der Host liest dabei die von Video Dragon bereitgestellten Register aus und interpretiert diese als Touch-Koordinaten.
Beispielsweise können übertragen werden:
- X-Koordinate
- Y-Koordinate
- Touch Status (Pressed / Released)
- Anzahl aktiver Touch-Punkte
- Gesteninformationen
Das Verhalten kann an unterschiedliche Touch-Controller-Protokolle angepasst werden.
Interrupt-Simulation über GPIO
Viele Touch-Controller verwenden zusätzlich eine Interrupt-Leitung, um neue Touch-Daten zu signalisieren.
Auch dieses Verhalten kann mit dem Video Dragon 2 nachgebildet werden:
- Touch-Daten werden im I²C-Slave aktualisiert.
- Anschließend wird ein GPIO-Ausgang des Dragons umgeschaltet.
- Der GPIO simuliert den Touch-Interrupt des Originalcontrollers.
- Das Zielsystem reagiert auf den Interrupt und liest die Touch-Daten aus.
Dadurch entsteht für das DUT (Device Under Test) ein vollständig realistisches Touch-Verhalten.
Verbindung mit dem Framegrabber
Der besondere Vorteil des Video Dragon 2 liegt in der Kombination aus:
- Touch-Eingabe simulieren
- Display-Inhalt erfassen
- Bild automatisch analysieren
Somit kann die komplette Benutzeroberfläche automatisiert getestet werden.
Integration in die Dragon Suite
Für die nahtlose Einbindung lässt sich eine Bibliothek (DLL) erstellen, welche die benötigten Touch-Funktionen kapselt.
Die DLL kann beispielsweise folgende Funktionen bereitstellen:
- TouchDown (x,y)
- TouchMove (x,y)
- TouchUp (x,y)
- Swipe (x1,y1,x2,y2)
- MultiTouch (...)
Über eine Template-DLL kann die Touch-Emulation direkt in die Dragon Suite integriert werden. Dadurch lassen sich Touch-Ereignisse komfortabel aus der Benutzeroberfläche heraus auslösen. Im Grabber-Dialog kann der Anwender direkt in das Live-Bild klicken, wobei die entsprechenden Touch-Koordinaten automatisch über die I²C-Schnittstelle an das Zielsystem übertragen werden. Optional kann zusätzlich ein GPIO für die Simulation des Touch-Interrupts angesteuert werden.
Zusätzlich kann die Dll aber auch in bestehen Testsytseme integriert werden um die Touchsimulation über HIL-systeme oder TestStand zu steuern.
Vorteile der DLL-Integration
- Wiederverwendbare Touch-Bibliothek
- Einheitliche Bedienung über die Dragon Suite
- Unterstützung komplexer Testabläufe
- Einfache Erweiterbarkeit für kundenspezifische Touch-Protokolle
- Kombination mit bestehenden Bildanalysefunktionen
Typische Anwendungsfälle
Fazit
Durch die Verwendung der I²C-Slaves des Video Dragon 2 kann ein Touchscreen-Controller vollständig emuliert werden. In Kombination mit GPIO-gesteuerten Touch-Interrupts entsteht eine realistische Nachbildung eines echten Touch-Interfaces. Zusammen mit den Framegrabber-Funktionen von Video Dragon ermöglicht dies leistungsfähige Closed-Loop-Tests, bei denen Touch-Eingaben erzeugt und die Auswirkungen unmittelbar über die Bildanalyse verifiziert werden können. Über eine Template-DLL lässt sich die Touch-Emulation zudem direkt in die Dragon Suite integrieren und komfortabel für automatisierte HMI- und GUI-Tests nutzen.